Damit uns das Baden nicht krank macht

Interview mit dem Global-Magazin

19 . 03 . 2018

Dem Global-Magazin habe ich folgendes Interview zum Thema "Multiresistente Keime in Flüssen und Badeseen" gegeben.

 Bislang galt, deutsche Gewässer sind eigentlich sauber: Wie konkret ist die Gefahr, dass ich im kommenden Sommer beim Baden in einem Fluss oder See in Deutschland wirklich erkranke?

Als gesunder Erwachsener müssen Sie sich nicht allzu sehr zu fürchten. Dennoch darf man die Funde dieser Keime nicht verharmlosen. Insbesondere für Menschen mit einem schwachen Immunsystem oder offenen Wunden ist die Gefahr einer Infektion jedoch gegeben. Im letzten Sommer gab es in Frankfurt am Main einen Fall, bei dem ein Mann starb, der er sich in einem Bach mit Keimen infiziert hat, gegen die im Krankenhaus kein Antibiotikum mehr gewirkt hat. Dies ist eben auch die eigentliche Gefahr: Je mehr multiresistente Keime in Gewässern oder anderswo zu finden sind, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass Menschen daran erkranken und im schlimmsten Fall sterben. Weltweit sterben derzeit über 700.000 Menschen an Infektionen mit Keimen gegen die heutige Antibiotika nicht mehr helfen.


Sie und die GRÜNEN wollen den Antibiotikaeinsatz in den Ställen einschränken: Bringt dies nicht aber die Tiergesundheit und damit auch unsere Lebensmittel in Gefahr? Welche konkreten Gegenmaßnahmen sollten ergriffen werden?

In einer Landwirtschaft läuft grundsätzlich viel schief, wenn Antibiotika quasi zum Standardprogramm gehören um die Gesundheit der Tiere zu erhalten. Wie auch beim Menschen muss der Einsatz von Antibiotika in der Tierhaltung die absolute Ausnahme darstellen. Dies können die Bäuerinnen und Bauern erreichen, indem sie auf eine tiergerechte Haltung setzen: Mehr Platz, Auslauf, Freiland, Licht und Beschäftigung für die Tiere anstatt Medikamentencocktails. Studien belegen, dass zum Beispiel bei der Haltung kleinerer Gruppen von Tieren weniger Medikamente nötig sind.


Gibt es nicht doch Medikamente, die im Stall (und damit letztlich den Tieren) helfen, ohne Resistenzen und damit das Problem zu fördern?

Kranken Tieren soll natürlich geholfen werden. Die beste Alternative zum häufigen Einsatz von Antibiotika im Stall bleibt allerdings, die Hühner und Schweine durch eine artgerechte Haltung gesund zu halten. Andere Medikamente gibt es bisher wenige, hier brauchen wir mehr Forschung. Falls doch Antibiotika eingesetzt werden müssen, dann auf keinen Fall sogenannte Reserveantibiotika wie Colistin, mit denen Menschen nur dann behandelt werden, wenn alle anderen Mittel nicht mehr wirken. Und bevor etwa ein ganzer Bestand an Geflügel in einem Stall mit Breitband-Antibiotika behandelt wird, muss künftig besser genau geschaut werden mit welchem Medikament der Krankheitserreger gezielt bekämpft werden kann. Dafür gibt es bereits gute Untersuchungsmethoden.

 

Link zum Interview: https://globalmagazin.com/themen/natur/damit-uns-das-baden-nicht-krank-macht